Früher war es leicht, Stellenanzeigen zu verstehen. Da stand „Arzt/Ärztin“, „Lehrer/Lehrerin“ oder „Verkäufer/-in“ und schon wusste man, wie man die Anzeige einordnen soll. Heute ist das oft ganz anders.

WAS ZUM HENKER SOLL EIN „SCRUM MASTER“ SEIN?

Früher war alles besser? Nun, in Sachen Verständlichkeit der Stellenangebote war es zumindest einfacher. Denn heute wird in diesen ja meist gar nicht mehr der Beruf genannt, sondern lediglich eine Tätigkeitsbeschreibung – zumindest bestenfalls. Oder man liest die Kreativergüsse der Personaler gepaart mit dem festen Willen, möglichst langeenglischeunverständlicheBegriffeaneinanderzureihen. Wie soll man da noch durchblicken?

OK, unter „Einzelhandelskauffrau-/mann“ können wir uns ja alle etwas vorstellen. Aber was macht ein Agile/Scrum Master? Oder -hä? – ein Managementberater/in Operative Exzellenz mit Schwerpunkt Private Equity? Wenn ich meiner Mutter erzählen würde, das mein nächster Job „HR Consultant als Freiraumkämpfer (w/m)“ hieße, würde sie sagen: „Herzlichen Glückwunsch!“ und sich zeitgleich denken „Was hab´ ich falsch gemacht?“

DIE TITEL KLINGEN GUT, SAGEN ABER NICHTS AUS

Dass man sich hier nicht zurechtfindet, ist ja auch kein Wunder. Schließlich ist die Wahl der Titel wohl auch zu einem guten Teil der Fantasie überlassen: „Manager“ war (für mich) früher jemand, der in der oberen Hierarchieebene das Sagen hatte. Heute kann das auch jemand sein, der keine Führungsverantwortung hat. Und was sagt uns dieses Beispiel? „Expert HR“ = wirklich Experte? Oder ist jemand, der zufällig diesen Studienschwerpunkt gewählt hat, gleich Experte? Hier wird es langsam unübersichtlich.

Also: nicht täuschen lassen! Der amerikanische Stil hat sich längst verfestigt: Wenn überhaupt nichts davor steht (z.B. „Manager“) liegt der Verdacht nahe, dass viel Sachbearbeitung dahinter steht. Wenn etwas davor steht, ist es noch lange keine Garantie dafür, dass man auch tatsächlich Verantwortung trägt. Verwirrend, ich weiß.

STELLENANZEIGEN LESEN IST WIE URLAUBSANGEBOTE LESEN

Hier ein paar Beispiele:

1. „Sie verfügen über ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis“ = Sie müssen Ihren Kunden hinterherlaufen.

2. „Als wachstumsstarkes Unternehmen sind wir auf der Suche nach ambitionierten, ehrgeizigen und leistungsorientierten…“ = hier ackerst Du Dich tot und hast kein Leben mehr.

3. „Sie sind erfahren im Umgang mit Konflikten“ = ach, da brennt´s!

4. „Es herrscht bei uns ein freundschaftliches und familiäres Miteinander ohne Ellenbogenmentalität.“ = Genau das Gegenteil. Hier will man nicht wahrnehmen, wenn es Konflikte gibt.

5. „Sie bringen idealerweise“ = wenn sich jemand mit diesen Qualifikationen bewirbt, wird er bevorzugt behandelt.

6. „…bringen gerne Erfahrung in der Kundengewinnung mit“ (Anforderung irgendwo unter „ferner liefen“ platziert) = zu 99 Prozent besteht der Job aus Akquise.

7. Wenn der Text der Selbstdarstellung länger ist als die Stellenbeschreibung = hier arbeitet ein Haufen selbstverliebter Selbstdarsteller.

WAS, WENN ICH NICHT SICHER BIN, OB DIE STELLE ZU MIR PASST?

Letztlich bleibt: Bei Unsicherheit ist es am einfachsten, einmal direkt in der Firma anzurufen und genauer nachzufragen, was/wer mit der Stellenanzeige gemeint ist. Mit Sicherheit kann man sich dann die ein oder andere Bewerbung sparen und sich schöneren Dingen widmen.

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